Sutras

Takkesa Ge – Das Kesa-Sutra

Hannya Shingyo – das Sutra der Weisheit, die darüber hinausgeht (Herz-Sutra)

Shigu seigan mon – die Bodhisattva-Gelübde

Ji ho san shi – Danksagung

Bussho Kapila – das Mahlzeitensutra

Sandokai – Harmonie vor Unterschied und Gleichheit

Hokyozanmai – der kostbare Spiegel

Fukanzazengi – Aufforderung und Anleitung zum Zazen

 

 

Takkesa Gekesa_sutra1

Jeden Morgen am Ende von Zazen singen wir dreimal dieses Sutra zur Verehrung des Kesas. Das Kesa ist Buddhas Gewand, das Gewand des Erwachens, das von Meister zu Schüler weitergegeben wird und das die Mönche tragen. Ursprünglich ist es aus Stoffetzen, die gewaschen, gefärbt und sorgfältig zusammengenäht wurden. Wenn wir in Zazen sitzend das Takkesa ge rezitieren erheben wir dieses Gewand zu seiner höchsten Dimension.

Takkesa Ge – Das Kesa-Sutra

Dai sai geda puku
Muso fukuden e
Hi bu nyorai kyo
Kodo sho shu jo

Oh Gewand der Grossen Befreiung
Kesa, Feld des grenzenlosen Glücks
Gläubig empfange ich die Buddhalehre,
Um weit herum allen fühlenden Wesen zu helfen.

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Maka Hannya Haramita Shingyo

Das Hannya Shingyo ist eines der wichtigsten Sutras des Mahayana-Budhismus. In anderen buddhistischen Traditionen nennt man es auch Herz-Sutra. Es ist das Herz, die Essenz der Buddhalehre, zusammengefasst in 262 chinesischen Schriftzeichen. Es wird in Tempeln und Dojos täglich nach dem Zazen gesungen.

Der Sinn dieses Textes : wenn der Bodhisattva versteht, dass Formen und Erscheinungen sich nicht von der Leerheit unterscheiden, dann verwirklicht er die grosse Weisheit, und durch dieses Erwachen hilft er allen Daseinsformen, sich vom Leiden zu befreien.

Maka Hannya Haramita Shingyo

Kan ji zai bo satsu. Gyo jin han-nya ha ra mi ta ji. Sho ken go on kai ku. Do is-sai ku yaku. Sha ri shi. Shiki fu i ku. Ku fu i shiki. Shiki soku ze ku. Ku soku ze shiki. Ju so gyo shiki. Yaku bu nyo ze. Shari shi. Ze sho ho ku so. Fu sho fu metsu. Fu ku fu jo. Fu zo fu gen. Ze ko ku chu. Mu shiki mu ju so gyo shiki. Mu gen ni bi ze-shin ni. Mu shiki sho ko mi soku ho. Mu gen kai nai shi mu i shiki kai. Mu mu myo yaku mu mu myo jin. Nai shi mu ro shi. Yaku mu ro shi jin. Mu ku shu metsu do. Mu chi yaku mu toku. I mu sho toku ko. Bodai sat-ta. E han nya ha ra mi ta ko. Shin mu kei ge mu ke ge ko. Mu u ku fu. On ri is-sai ten do mu so.Ku gyo ne han. San ze sho butsu. E han-nya ha ra mi ta ko. Toku a noku ta ra san myaku san bo dai. Ko chi han-nya ha ra mi ta. Ze dai jin shu. Ze dai myo shu. Ze mu jo shu. Ze mu to do shu. No jo is-sai ku. Shin jitsu fu ko. Ko setsu han-nya hara mi ta shu. Soku setsu shu watsu.
Gya tei gya tei hara gya tei.
Hara so gya tei bo ji so wa ka.
Han-nya shin gyo.

Maka Hannya Haramita Shingyo

Der Bodhisattva Kanjizai (Kannon) übt tiefgründig die große Weisheit, als er plötzlich erkennt: alles Dasein und alle Erscheinungen sind KU (Leere, Nichts), und so hilft er allen Wesen und rettet sie.

Oh Shariputra, die Erscheinungen unterscheiden sich nicht von der Leerheit. Die Leerheit unterscheidet sich nicht von den Erscheinungen. Die Form an sich ist Leere, und die Leere ist Form, und mit der Wahrnehmung, dem Denken, dem Handeln und dem Bewusstsein verhält es sich ebenso. Oh Shariputra, alles Dasein ist dem Wesen nach Leerheit, es gibt in ihm weder Entstehen noch Vergehen, weder Reinheit noch Beschmutzung, weder Zunahme noch Abnahme. Daher gibt es in der Leere keine Form und keine Empfindung, Wahrnehmung, Denken, Handeln und Bewusstsein, nicht Augen noch Ohren noch Nase, Zunge, Körper oder Geist, keine Farben, Töne, Gerüche, Geschmäcke, Tastempfindungen oder Begriffe. Es gibt weder den Bereich der Wahrnehmung noch seine sechs Gegenstände. Auch die Welt der sechs Bewusstseinsarten (Augenbewusstsein, Ohrenbewusstsein, Nasenbewusstsein, Mundbewusstsein, Körperbewusstsein und Wille) gibt es nicht. Es gibt keine Unwissenheit, noch das Erlöschen der Unwissenheit. Es gibt kein Alter und keinen Tod, und kein Erlöschen von Alter und Tod, und entsprechend (verhält es sich mit den zwölf innen). Auch die Vier Edlen Wahrheiten (das Leiden, der Ursprung des Leidens, das Erlöschen des Leidens und DO, der Weg dahin) gibt es nicht. Es gibt keine Erkenntnis und keinen Gewinn. Also ist es mushotoku (ohne Ziel, es gibt nichts zu erlangen).

Durch diese höchste Weisheit (hat) der Bodhisattva den (unbeirrbaren) Geist ohne Hindernis. Ohne Hindernis gibt es keine Furcht. Durch die Trennung von aller Verstörtheit und jeder Illusion erreicht er schließlich das Nirwana. Die Buddhas der drei Welten (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) erhalten durch Hannya Haramita das höchste Satori. Man muss also verstehen, dass Hannya Haramita das große universale Sutra ist, das große glänzende Sutra, das höchste, unübertreffliche aller Sutras, das unvergleichliche Sutra, welches alles Leiden abschneidet. In der echten Wahrheit gibt es keinen Irrtum.

Deshalb besagt das Sutra von der Höchsten Weisheit:gya-tei-gya-tei-MTD-web

‚ Lasst uns darüber hinaus gehen,

darüber hinaus und noch jenseits des Darüber-Hinaus,

hinüber an das Ufer des Satori.‘

 

 

 

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Shigu seigan mon

Dieses Sutra stellt das Ideal des buddhistischen Übenden dar : alle Wesen befreien, indem man die Buddhalehren praktiziert, seine eignen Illusionen klar sieht und seine Buddhanatur verwirklicht.

Shigu seigan mon

Shu jo muhen sei gan do
Bon-no mujin sei gan dan
Ho mon muryo sei gan gaku
Butsu do mujo sei gan jo

Shigu seigan mon – Die vier Bodhisattvagelübde

So zahlreich die Wesen sind, ich gelobe, sie alle zu befreien.
So zahlreich die Illusionen sind, ich gelobe, sie alle zu überwinden.
So zahlreich die Dharmas sind, ich gelobe, sie alle zu erlangen.
So vollkommen der Buddhaweg ist, ich gelobe, ihn zu verwirklichen.

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Ji ho san shi

 Dieses Sutra ist ein Ausdruck der Dankbarkeit und Verehrung für alle Buddhas und Patriarchen. Wir rezitieren es traditionnellerweise nach der Widmung (Eko), die auf jedes Sutra folgt.

 

Jin ho san shi

Ji ho san shi i shi fu
Shi son bu sa mo ko sa
Mo ko ho jya ho ro mi

Jin ho san shi – An alle Buddhas

An alle Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft in den zehn Richtungen.
An alle Bodhisattvas und an die Patriarchen.
Das Sutra der Grossen Weisheit durch die man darüber hinaus geht.

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Gyohatsu nenju

 In der Zenpraxis sind die Mahlzeiten eine Zeremonie für alle leidenden Wesen. Durch dieses Sutra, das die verschiedenen Momente der Mahlzeit begleitet, bezeigen wir unsere Dankbarkeit gegenüber allen Wesen, die zur Gabe dieser Nahrung beigetragen haben. Uns jeglicher Gier enthaltend werden wir gewahr, dass diese Mahlzeit dazu bestimmt ist, unsere Praxis zu stärken und so den Geist des Erwachens hervorzubringen. Und wir schenken diese Nahrung als Gabe für das Wohl aller Wesen.

Gyohatsû nenju

Bus shô kapira
Jo do makada
Sep pô harana
Nyu metsu kuchira
Nyorai o ryôki
Gakon toku futen
Gangu is-sai shû
To san rin ku ja ku.

Shin jin pashin birû sha no fu
En mon ho shin rushâ no fu
Sen pai kashin shikyâ mu ni fu
To rai asan mirû son bu
Ji ho san shi ishî shi fu
Dai jin myo harin ga kin
Dai shin bun jusu ri bu sa
Dai jin fuen bu sa
Dai hi kan shiin bu sa
Shi son bûbu sa mo ko sa
Mo ko hôja ho ro mi.

Hitotsu ni wa kô no tashô o hakari kano raisho o hakaru.
Futatsu ni wa, onore ga tokugyô no zen ketto wo hakatte kuni ôzu.
Mitsu ni wa shin o fusegi toga o hanaruru ko towa tontô o shû to su.
Yotsu ni wa, masani ryôyaku o koto to suru wa gyôko o ryôzen ga tame nari.
Itsutsu ni wa jôdô no tame no yue niima kono jiki o uku.

Jiten kijinshu,
Gokin suji kyu
Suji hen jihô
Ishi ki jin kyu.

Jo bun san bo,
Chu bun shion.
Gekyû roku do,
Kai do kuyô.

Ik-ku idan is-sai aku
Niku ishu is-sai zen
Sanku ido shoshu jo
Kaigu jo butsu do.

Gashi sen pas-sui,
Nyo ten kan ro mi,
Seyo kijin shû
Shitsu ryo tokubo man
On makura sai sowaka.

Shi shi kai jiki kun,
Jiren kafu jashî,
Shi shin jin cho ihi,
Kishu rinbu jo son.

 

Gyohatsû nenju – Das Mahlzeitensutra

Buddha ist in Kapilavastu geboren und in Magadha erwacht.
Er lehrte in Varanasi und trat ins Nirvana ein in Kuchinagara.
Nun öffnen wir die Schalen des Tathagata damit der Geber, der Empfänger und das Gegebene befreit sind von jeglicher Anhaftung und mit allen fühlenden Wesen die Befreiung erlangen.
Ehre der grenzenlosen Reinheit des Buddha Vairocana, der erfüllten Form des Buddha
Amitabha und der offenbarten Form des Buddha Shakyamuni.
Ehre Maitreya, dem Buddha der Zukunft.
Ehre allen Buddhas der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft in den zehn Richtungen.
Dem Lotus-Sutra des gesetzes des Grossen Fahrzeugs..
Ehre Manjushri, dem grossen Bodhisattva der Weisheit.
Dem grossen und vollkommenen Bodhisattva Samantabhadra.
Dem Bodhisattva des grossen Mitgefühls, Avalokiteshvara.
Den unzähligen Bodhisattvas, allen Patriarchen und der Grossen Weisheit, die uns darüber hinaus gehen lässt.
Erstens : wir sollen daran denken wie uns diese Nahrung gegeben wurde. Unsere Dankbarkeit richtet sich an alles, was dazu beigetragen hat.
Zweitens : diese Gabe empfangend sollen wir bedenken, ob unsere Tugend und unsere Praxis ihrer würdig sind.
Drittens : wir sollen zum Normalzustand des Geistes zurückkommen, frei sein von jeglicher Begehrlichkeit und Gier.
Viertens : wir essen diese Nahrung für die Gesundheit unseres Körpers.
Fünftens : wir essen diese Nahrung, um uns auf dem Buddhaweg zu vervollkommnen.
Allen hungrigen Geistern schenke ich nun diese Nahrung, möge sie das ganze Universum durchdringen.
Ich hoffe, sie mit euch zu teilen.
Den Drei Schätzen, Buddha Dharma, Sangha, all jenen die uns geholfen haben, unseren Eltern, unseren Lehrern, der gesamten Menschheit, allen leidenden Wesen, die in den sechs Welten der Irrwege gefangen sind und sich nicht selbst befreien können. Möge diese Nahrung allen Daseinsformen des Universums dienen.
Als Erstes essen wir, um alles Schlechte zu lassen. Als Zweites, um das Gute zu üben. Als Drittes, um alle fühlenden Wesen zu retten.
Lasst uns gemeinsam den Buddhaweg aktualisieren.
Mit diesem Wasser wasche ich meine Schale, es schmeckt wie himmlischer Nektar, ich schenke es allen Toten und all jenen, die in ihren Höllen leiden. Möge es sie erfrischen wie der Morgentau.
In dieser Welt der Täuschungen, leer und unbeständig,
Mögen wir im schlammigen Wasser mit der Reinheit der Lotusblume existieren können.
Nichts ist grösser als der unbegrenzte Geist.
So verbeugen wir uns vor Buddha.

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Sandokai

Das im 8. Jahrhundert von Sekito Kisen, dem Schüler des 6. Patriarchen verfasste Sandokai gehört zu den wichtigsten Texten unserer Tradition. Es ist eine Essenz der Buddhalehre, die wir in der Morgenzeremonie singen. San : vielfach, Unterschied, Form. Do : Einheit, Gleichheit, ku (Leerheit). Kai : Begegnung. Mehrere Übersetzungen sind möglich : Gleichheit vom Vielfachen und Einen; Begegnung zwischen Gleichheit und Verschiedenheit ; Einheitlichkeit der Wirklichkeit und der Leerheit ; usw. Das Sandokai handelt von der Verwirklichung der fundamentalen Einheit innerhalb der Widersprüche und der Dualität, die von unserem Gehirn hervorgebracht werden.

Sandokai – Die Harmonie zwischen Unterschied und Gleichheit

Der Geist des Großen Weisen aus Indien
offenbarte sich zutiefst von West nach Ost.
Die Fähigkeiten des Menschen sind mehr oder weniger zugespitzt
Doch der Weg hat weder Patriarch des Nordens noch Patriarch des Südens
Die Quelle des Geistes glänzt hell im Licht;
Sich verzweigende Bäche fliessen im Dunkeln.
Das Erfassen der Dinge ist gewiss eine Täuschung;
Sich in Einklang bringen mit der Gleichheit ist noch keine Erleuchtung.
Alle Sinnesobjekte stehen in Wechselwirkung zueinander
Und doch sind sie nicht verbunden.
Wechselwirkung führt zu Solidarität.
Wenn nicht, bleibt jeder in seiner Position.
Das Gesehene nimmt verschiedene Gestalten an,
Die Klänge sind angenehm oder unangenehm.
In der Dunkelheit verschwimmen raffinierte und vulgäre Reden,
Im Licht unterscheiden sich klare und unklare Aussagen.
Die vier Elemente kehren zu ihrer Natur zurück
Wie das Kind zu seiner Mutter zurückfindet.
Feuer wärmt, Wind bewegt, Wasser nässt, Erde ist fest.
Auge und Sicht, Ohr und Klang, Nase und Geruch, Zunge und Geschmack.
Für alles was existiert entwickeln sich die Blätter gemäss dieser Wurzeln.
Stamm und Äste teilen die ;
Edel oder gewöhnlich, jeder hat seine Rede.
Im Licht ist die Dunkelheit,
Doch haltet sie nicht für Dunkelheit.
In der Dunkelheit ist das Licht,
Doch betrachtet es nicht als Licht.
Licht und Dunkelheit sind Gegensätze
Wie der vordere und der hintere Fuss beim Gehen.
Von den unzähligen Dingen hat jedes sein eigenes Verdienst,
Das sich in Funktion und Ort offenbart.
Die Erscheinungen existieren, so wie der Deckel auf die Dose passt ;
Das Prinzip stimmt überein, so wie zwei Pfeilspitzen zusammentreffen.
Diese Worte hörend, versteht den Sinn;
Schafft nicht eure eignenen Normen.
Versteht ihr den Weg unter euren Füssen nicht,
Wie wollt ihr dann den Weg kennen auf dem ihr geht ?
In der Praxis geht es nicht um Nähe oder Ferne,
Doch in der Verwirrung versperren Berge und Flüsse den Weg.
Euch, die ihr den Weg sucht, bitte ich mit Respekt,
Eure Tage und Nächte nicht zu vergeuden.

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Hôkyôzanmai

Geschrieben im 9. Jahrhundert von Meister Tozan, Ungan Donjos Nachfolger und Meister von Sozan und Ungo Doyo. Seine Lehre: in sich selbst schauen, nicht bei den andern suchen, einen von jeglicher Formel freien Geist bewahren.
Das Hokyo zanmai handelt vom reinen Bewusstsein während Zazen : Zanmai, Samadhi. Der kostbare Spiegel der Form und Nicht-Form mit einschliesst, wiederspiegelt alle Phänomene des Kosmos, die frei und ungreifbar erscheinen und vergehen. Das Samadhi des kostbaren Spiegels ist das Erwachen des Geistes zur Buddhanatur aller Daseinsformen.

Hôkyôzanmai – Die vollendete Sammlung, genannt «kostbarer Spiegel»

Die Buddhawirklichkeit, so wie sie ist,
Wurde von den Buddhapatriarchen geheim berührt.
Ihr, die ihr sie nun erlangt habt,
Ich bitte euch : haltet sie intakt.
Wie bei einer schneebedeckten Silberschale,
Oder einem im Mondlicht verborgenen Reiher,
Gleichen sich die Dinge ohne gleich zu sein.
Obwohl verschwommen weiss man wo sie sind.
Der Sinn findet sich in den Worten,
Er entwickelt sich im Wandel der Gelegenheiten.
Davon bewegt fällt ihr in ein Loch.
Daran zweifelnd zögert ihr.
Sich davon abwenden
Oder sich annähern,
Weder das Eine noch das Andere ist richtig.
Es ist eine glühende Masse !
Drückt ihr es in gezierter Sprache aus,
So beschmutzt ihr es !
Das Innerste der Nacht lässt es klar scheinen,
Und es verschwindet im Morgendämmern.
Es ist die Norm, die alle Dinge beherrscht,
Macht davon Gebrauch, um das Leiden aufzuheben.
Obwohl es nicht bedingt ist,
Fehlt es nicht an Worten, um darüber zu sprechen.
So wie eure Gesichtszüge und ihr Spiegelbild,
sich gegenseitig betrachten in einem kostbaren Spiegel.
Ihr seid nicht das Abbild,
Doch das Abbild ist ihr.
Es trägt die fünf Zeichen eines Neugeborenen,
Der weder geht noch kommt,
Der weder aufsteht noch bleibt.
Und dessen Gebrabbel, klare Worte oder nicht,
Letztendlich nichts erreicht :
Denn die Sprache ist noch nicht wirklich.
Es wirkt wie, beim Schriftzeichen « Feuer »,
Die Striche, die man umordnet,
Und die, übereinandergelegt, drei ergeben,
Oder fünf wenn man sie umordnet.
Es umschliesst die wunderbare Wechselbeziehung
Der unendlichen Verschiedenheiten aller Dinge der Welt,
Wie der fünffache Geschmack des Shisograses,
Wie das Diamantszepter.
Es ist die Trommel, die
Den Gesang begleitet.
Es geht durch den Ursprung,
Es wandert auf den Wegen,
Es dringt überall ein,
Bemüht man sich, es gebührend zu achten,
So bringt das Glück.
Nichts kann sich
Seiner Ordnung der Dinge entgegenstellen.
Geheimnisvoll in seinem natürlichen Zustand,
Gehört es weder zur Täuschung noch zum Erwachen.
Je nach Ursachen und Bedingungen und je nach Gelgenheiten,
Leuchtet es still.
So dünn dass es dort eindringt wo keine Lücke ist,
So gross dass es alle Grenzen übersteigt.
Und doch, bei der geringsten Abweichung,
Ist man nicht mehr im Einklang.
Heute gibt es
Ein plötzliches und ein graduelles Erwachen.
Es erscheinen religiöse Systeme,
Die sich über diesen Punkt streiten.
Sogleich machen sie Normen daraus.
Mögen die Religionen, die diesen Normen folgen,
Sie verstehen oder nicht,
Die Wirklichkeit geht ihren Weg.
Ruhig nach aussen, im Innern bebend,
Wie ein gefesseltes Pferd oder eine kauernde Ratte,
Die Buddhas der Vergangenheit, vom Mitleid gedrängt,
Haben die Buddhawirklichkeit geschenkt.
Denn falschen Vorstellungen folgend,
Hält man schwarze Seide für naturweiss.
Doch sobald diese falschen Vorstellungen sich gegenseitig zerstört haben,
Heilen die getäuschten Geister von selbst.
Wenn ihr nach dem alten Pfad sucht,
Dann betrachtet bitte die Weisen von früher.
Wie dieser Buddha, der im Augenblick seines Erwachens
Zehn Äone lang einen Baum betrachtet hat.
Möge ein elendes Leben,
Sich als Schatz der Buddhanatur herausstellen,
Wie das fehlende Ohr eines Tigers,
Wie die weissen Flecken im Fell eines Pferdes.
Sein Reichtum lässt selbst verschlossene Geister davon berührt werden
Wie von Pfeilen, die aus hundert Schritt Entfernung vom Experten Yi abgeschossen wurden.
Und wenn eine Lanz seinen Pfeil im Flug trifft,
Ist dann seine Geschicklichkeit neutralisiert ?
Dass eine unfruchtbare Frau aufsteht und tanzt
Wenn ein Dummkopf singt,
Hat weder mit Gefühl noch mit Bewusstsein zu tun.
Besser ! Braucht sie überhaupt darüber nachzudenken ?
Der Untergebene dient dem Herrscher,
Der Sohn gehorcht dem Vater.
Nicht zu gehorchen heisst, ein schlechter Sohn zu sein,
Nicht zu dienen heisst, nicht zu helfen.
Die Praxis der Buddhapatriarchen
Täglich, ernsthaft und ohne Hervortun
In den alltäglichen Handlungen
Erscheint naïf oder absurd.
Doch dadurch, dass sie immer weitergeht
Durch genaueste gegenseitige Weitergabe,
Erhielt sie den Namen « Herrscher unter den Herrschern. »

Übersetzung Kengan D. Robert

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Fukanzazengi

Universelle Aufforderung zum Zazen – von Meister Dogen aus dem 13. Jhdt.

Von Beginn an war der Weg vollkommen gegenwärtig, warum sollten wir ihn erst noch üben und bezeugen müssen?
Das Gefährt der Lehre bewegt sich frei und von selbst, welchen Sinn hätte da unser eifriges Üben?
Im ganzen Universum gibt es nicht das geringste Staubkorn, wie könnten wir je versuchen, uns selbst durch die Übung zu reinigen?
An diesem Ort ist alles offenbar, wohin sollten wir die Füße unserer Übung richten?

Wenn du auch nur ein Haarbreit von Unterscheidung machst, wird sich eine Kluft wie zwischen Himmel und Erde auftun. Wenn du dem einen folgst und dem anderen widerstrebst, wird dein Geist wie Pulver vom Wind verweht.
Auch wenn du stolz auf dein Wissen und deine große Erleuchtung bist, auch wenn deine intuitive Weisheit Buddha erschaut hat und du den Weg erlangt und den Geist geklärt hast, selbst wenn deine entschlossene Gesinnung zum Himmel durchbricht: Selbst dann zappelst du nur so wie einer, der mit dem Kopf in der Schale feststeckt, während der Leib den Ausweg zum Leben fast vollkommen vergessen hat.

Shakyamuni wurde als Weiser geboren. Dennoch saß er für sechs Jahre im Gion-Park. Siehst du seine Spuren nicht? Bodhidharma brachte das Siegel des Geistes aus Indien. Hörst du nicht das Echo der neun Jahre, die er im Shorin-Tempel gegen die Wand gerichtet saß?
Wenn es selbst bei den Alten so war, wie könnten wir Heutigen uns da vor der Übung drücken? Suche nicht nach Buchstaben, verstricke dich nicht in Worte, lass endlich ab von deinen Kommentaren. Dreh’ das Licht um und beleuchte dich selbst, lerne, einen Schritt zurück zu tun. Von selbst werden sich Körper und Geist lösen, dein Urangesicht wird ganz offenbar. Wenn du die Dinge sehen willst, so wie sie sind, musst du – hier und jetzt – ganz du selbst sein, so wie du bist.

Für die Zenübung ist ein stiller Ort geeignet. Halte Maß beim Essen und Trinken und löse dich aus allen Bindungen, lasse die zehntausend Angelegenheiten ruhen. Denke nicht an “gut” und “böse”, urteile nicht über “richtig” oder “falsch”. Dein Geist und Bewusstsein drehen sich im Kreis – lass sie zur Ruhe kommen. Hör’ auf alles mit deinen Gedanken und Meinungen abzuwägen. Versuche auch nicht einen Buddha aus dir zu machen, gib dich nicht ab mit “Sitzen” oder “Liegen”.

Breite eine dicke Sitzmatte aus. Darauf lege dein Sitzkissen. Sitze entweder im halben Lotussitz oder im vollen Lotussitz. Beim vollen Lotussitz lege den rechten Fuß auf den linken Oberschenkel und dann den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel. Beim halben Lotussitz lege einfach den linken Fuß auf den rechten Oberschenkel.

Trage dein Gewand locker und ordentlich. Lege die rechte Hand auf den linken Fuß und die linke Hand auf die rechte Hand. Die Spitzen der beiden Daumen sind gegeneinander gestützt.
Sitze gerade, in der richtigen Haltung. Sitze nicht nach links oder rechts gekrümmt, vornüber gebeugt oder zurückgelehnt. Ohren und Schultern sollten in einer Linie sein, während die Nase in einer Linie mit dem Nabel ist. Die Zunge sollte am Gaumen anliegen. Halte Lippen und Zähne geschlossen und die Augen stets geöffnet. Atme leise durch die Nase.

Ist der Körper auf diese Weise eingestimmt, dann atme einmal tief durch den Mund aus. Schwinge deinen Oberkörper erst nach links und rechts. Dann sitze reglos wie ein mächtiger Berg in Konzentration und denke auf dem Grund des Nicht-Denkens. Wie denkt man auf dem Grund des Nicht-Denkens? Es ist die Loslösung vom Denken (Undenken). Dies macht die Kunst des Zazen aus.

Zazen ist keine Meditationstechnik – es ist das Dharmator großer Zufrieden- und Gelassenheit. Es ist das übende Erweisen des endlosen Dharmaweges. Hier verwirklicht sich das offenbare Geheimnis, es gibt kein Netz mehr, in dem du dich verfangen könntest.
Wenn du dir dies zu eigen gemacht hast, bist du wie ein Drache, der zurück ins Wasser taucht, du bist wie ein Tiger, der durch die Berge streift. Die wahre Lehre verwirklicht sich von selbst, und deine Müdigkeit und Zerstreutheit werden sich auflösen.

Wenn du aus Zazen aufstehst, bewege deinen Körper erst langsam, und richte dich dann in Ruhe auf. Tue es nicht Hals über Kopf.

Siehe, dass all die, die über das Gewöhliche wie das Ungewöhnliche hinausgehen und im Sitzen wie im Stehen sterben, sich dieser einen Kraft überlassen. Das gilt auch für den Finger und den Mast, die Nadel und den Schlegel, mit denen das Rad der Lehre gedreht wurde. Der Erweis, der mit dem Wedel und der Faust, dem Stock und dem Schrei erbracht wurde, lässt sich durch Gedanken und Urteile nicht verstehen. Wie sollte ihn je einer erkennen, der sich mit übendem Erweisen um das Erlangen übernatürlicher Kräfte bemüht? Dein Handeln muss sich von Klang und Gestalt lösen, es muss sich auf die Ordnung gründen, die vor intellektuellem Sehen und Verstehen liegt.

Mache dir keine Gedanken darüber, ob du mehr weißt als die anderen oder nicht. Glaube nicht, dass der Kluge besser ist als der Dumme. Gib’ dich einfach hin an die Übung: Das ist es, was Beschreiten des Weges genannt wird. Nichts könnte das übende Erweisen beflecken – sich nach dem Weg zu richten bedeutet, den Alltag zu leben. In dieser wie in allen anderen Welten, in Indien wie in China, wird das Buddhasiegel auf gleiche Weise bewahrt, und der Wind der Wahrheit weht frei und ungehindert. Gib’ dich einfach hin an das Sitzen, geh’ auf im unbeweglichen Zustand des Zazen. Auch wenn es tausend Wege mit zehntausend Unterschieden gibt, beschreite den einen Weg in dem du einfach nur Zen übst. Welchen Sinn hat es, das Sitzkissen bei dir zuhause zu verlassen, um in der Fremde umherzuirren? Ein falscher Schritt, und du wirst den Boden unter deinen Füßen verlieren. Als Mensch geboren, hast du die seltene Gelegenheit den Weg zu gehen – verschwende deine Zeit nicht!

Dem Buddhaweg in diesem Leben begegnet – wie könntest du die Gelegenheit ungenutzt lassen und fliegenden Funken nachblicken? Dein Leben ist wie das Tau am Gras. Das Schicksal schlägt zu wie ein Blitz. Dein Körper hat keinen Bestand, in einem Augenblick musst du ihn aufgeben. Ich hoffe, dass du, der du die Lehre so gelernt hast wie ein Blinder, der an einem Elephanten tastet, nicht in Angst und Schrecken versetzt wirst, wenn du dem wirklichen Drachen begegnest. Übe den direkten Weg der Wahrheit mit Leib und Seele, respektiere den Müßiggänger, der jenseits jedes Lernens ist. Teile die Weisheit mit Buddhas und Buddhas, erbe das Samadhi von Patriarchen und Patriarchen. Auf diese Weise geübt – auf diese Weise verwirklicht. Die Schatzkammer öffnet sich von selbst – es liegt an dir, sie auszuschöpfen.

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